In der Sitzung des Bauausschusses am 19. November haben die Politiker lange aufgeschobene Anträge zum Radverkehr behandelt und Beschlüsse dazu gefasst.Ende des Monats soll die Bürgerschaft darüber entscheiden. Hier ein Link zu einem Artikel der LN zur Sitzung des Bauausschusses.

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Presseerklärung des ADFC Lübeck zu den Beschlüssen des Bauausschusses
Lübecks Bürger und Besucher dürfen hoffen: Zwischen Bahnhofsallee und Willy-Brandt-Allee soll nun doch eine Brücke über den Stadtgraben gebaut werden, nachdem dieser Plan 12 Jahre zuvor noch abgelehnt worden war. Diese Brücke kann den Weg für Fußgänger und Radfahrer vom Bahnhof und aus den westlichen Stadtteilen in Lübecks Zentrum sicherer und komfortabler machen. Neben dem neuen Verkehrskonzept für die Altstadt und dem geplanten Radschnellweg von Bad Schwartau ins Zentrum und weiter über die Universität nach Groß Grönau kann die Stadtgrabenbrücke ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu einem guten Verkehrsangebot für Fußgänger und Radfahrer sein. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass diese Brücke an ihren beiden Enden eine wirklich gute Fortsetzung erhält: von der Willy-Brandt-Allee zum Koberg und zum Kohlmarkt; vom westlichen Brückenkopf zum Bahnhof und weiter nach Buntekuh.
Auch die Neuausschreibung einer Stelle für die Radverkehrsplanung wird vom ADFC ausdrücklich begrüßt. Nur so werden vermutlich die desaströsen Mängel der Lübecker Radwege halbwegs zeitnah beseitigt werden können, und diese Stelle verbessert auch die Chancen auf Realisierung neuer attraktiver Wege. Das erfordert allerdings auch Geld – mehr als die angekündigten 2 Millionen Euro jährlich, die 9 Euro je Einwohner entsprechen würden. In Lübeck werden 20% aller Wege auf dem Fahrrad zurückgelegt, damit gehört unsere Stadt definitiv in die Kategorie Aufsteiger. Für diese Kategorie sieht der Nationale Radverkehrsplan des Bundesverkehrsministeriums aus dem Jahr 2012 jährliche Investitionen in Höhe von 13 – 18 Euro (nach aktuellen Preisen also 14 – 20 Euro) je Einwohner vor. Die niederländische Stadt Utrecht investiert sogar 44 Euro je Einwohner und Jahr – und errechnet trotzdem noch einen jährlichen Nutzen des Radverkehrs von über 700 Euro je Einwohner. Unverständlich und ärgerlich ist auch die Verschiebung der Radverkehrsförderung auf das Jahr 2020: die bestehenden Mängel der Infrastruktur sind schließlich hinreichend bekannt, und ihre Beseitigung könnte unabhängig von der vorgesehenen Stellenbesetzung jederzeit begonnen werden.
Auch in Lübeck wären Investitionen in den Radverkehr gut angelegtes Geld. Jeder Bürger, der sein Fahrrad regelmäßig nutzt, beschenkt allein mit dieser Entscheidung nicht nur sich selbst mit einem beträchtlichen Zugewinn an Lebensqualität und Lebenszeit; er senkt auch die Krankheitskosten um etwa 1.400 Euro jährlich, also um ein Vielfaches der Ausgaben für den Radverkehr. Diese Kosten müssten anderenfalls zum weit überwiegenden Teil von der Solidargemeinschaft der Steuer- und Beitragszahler getragen werden. Je schneller und nachhaltiger sich die Bedingungen für das Radfahren verbessern, desto eher kann der bislang noch verbleibende Kostenberg abgeschmolzen werden. Insofern wären mutige und kluge Investitionen – ganz im Sinne der Tradition hanseatischer Kaufleute – sehr zu begrüßen. Der ADFC wird auch weiter gern seinen Beitrag zur Entwicklung einer guten Infrastruktur leisten, welche den einzelnen Verkehrsteilnehmern genauso nützt wie der ganzen Stadt und der Umwelt.